Eine Frage: Haben Sie schon mal einen Mix getrunken, der Sie an Schwarzen Tee, dunkle Röstaromen, Kräuterlikör, Karamell und Kandiszucker sowie Rosinen erinnert? Nein? Dachte ich mir. Denn so und nicht anders beschreibt Mario Scheuermann einen Wein, den zu trinken er (1998, denke ich) die Ehre hatte: Ein Chateau d’Yquem aus dem Jahr 1787. Kein Tippfehler: siebzehn siebenundachtzig. Den und noch 124 andere vom gleichen Chateau, und die meisten schmeckten irgendwie göttlich.
Scheuermann ist einer der beneidenswerten Berufstrinker, ein Genießer. Er schreibt beruflich über solche Dinge, fundiert und in einem sehr lesbaren Stil. Er trinkt viel (bitte immer rein dienstlich verstehen – da heißt “trinken” leider leider eben auch oft nur “verkosten”, was mit unserem abendlichen Wein nichts zu tun hat) und schreibt noch mehr, kostenlos zu genießen an zahlreichen Stellen im Internet oder gegen Geld zum Beispiel in der Wochenzeitung “Die Zeit”.
Demnächst erscheint auch mal wieder ein Buch von ihm – das bereits vorab bei einigen Multiplikatoren auf dem Nachttisch liegt und die Lust aufs Lesen schüren soll. “Wein und Zeit” heißt der Band, der am 5. September im Hampp-Verlag in Stuttgart erscheint. Er ist 192 Seiten stark, hübsch gesetzt, sauber gebunden und kostet 17,90 Euro (ISBN 13: 978-3-936682-21-2).
Viel Neues ist nicht drin in dem Bändchen – von den neun Geschichten sind acht Nachdrucke, wenn auch aktualisiert und überarbeitet. Aber wer hat schon seine Scheuermanns gesammelt? Doch nur die allergrößten Fans. Für den Rest ist die Zusammenstellung schlicht schön, lesbar und schlau machend. Ganz vorne dankt der Autor zwei Helfern “für das Entfernen überfüssiger Worte” – was nicht nur eine nette Geste ist, sondern auch zeigt, dass der Mann an seinen Texten feilt.
Man muss nicht immer einer Meinung sein mit dem, was Mario Scheuermann schreibt – sein einzig originär für diesen Band geschriebener Beitrag “für eine andere Mathematk des Weins” hat beispielsweise viele schlaue Gedanken – aber mich hat’s nicht überzeugt, dass “cpv” (für Konstanten, Parameter, Variablen) zu nachvollziehbareren Ergebnissen kommen soll als die Ansprache via “COS” (color, odor, apor -alles lateinisch und mit Farbe, Geruch, Geschmack zu übersetzen).
Muss man also “Wein und Zeit” haben? Im Prinzip ja, so wie man immer Wein und auch immer Zeit haben sollte. Wenn nicht für sich, dann doch wenigstens für jemand anderen. Als Geschenk.
PS: Bitte unbedingt hinten im Bändchen die Anmerkungen und Fußnoten lesen! Nachhilfe im Weltenlauf ist das, habe schon drei Anregungen für weitere Lektüre gefunden!!!
Heute brachte uns der Postbote ein Päckchen. Sylke nahm es entgegen und rief mich im Büro an. “Erwartest Du Post?” – “Nein…” – “Ist aber was gekommen. Ein weißer weicher Umschlag. Sieht aus wie eine Bombe, hat so einen Huckel. Und auf dem Umschlag stehen, außer der Anschrift, merkwürdige Anweisungen: NICHT KNICKEN! NICHT HEISS LAGERN! NICHT IN DER NÄHE VON TIEREN LAGERN! NICHT WERFEN!” Ein Absender war auch vermerkt: Ein CH. S. aus irgendwo in Bayern, der Postleitzahl nach zu urteilen. “Zeh Haa Punkt? Kenn’ ich nicht!” sage ich, und Sylke – das sehe ich durch den Telefonhörer! – schaut mich ungläubig an. Wir einigen uns darauf, dass sie die Bombe nicht öffnen und mich mich am späten Nachmittag den Held spielen lassen soll.
Ermutigt durch die guten Erfahrungen unseres ersten liparischen Fischeinkaufs wagten wir uns anderntags ein zweites Mal. "Heute gehen wir aber mal in einen richtigen Fischladen, so einen für die Hausfrauen und so!" schlug ich vor. Auich solche gab’s unweit der Wohnung, und so stapften wir los, um den morgendlichen panino-Kauf um pesce zu erweitern. Schwertfisch sollte es dieses Mal sein, und mutig bestellte ich due fetti de pesce spada. "Due?" fragte der Fischverkäufer, und wir nickten. Er drehte sich um, schnittt zweimal beherzt zu und präsentierte – Schwertfisch für eine Großfamilie. Sylke sah mich an, ich sah Sylke an, der pescivendolo sah abwechselnd uns und die Waage an. Wahrscheinlich hielt er uns für teutonische Vielfraße, obwohl wir doch beide eigens für den Urlaub und der Möglichkeit des am Strand gesehen werden abgenommen hatten. "Si, si…" sagte ich, und als wir nach Begleichen der üppigen (aber reellen) Rechnung für ein knappes Kilo Schwertfisch nahezu ohne Knochen den Laden verlassen hatten, schwor ich, demnächst noch besser italienisch zu lernen, um Verkäufern von Schwertfisch zweifelsfrei die Mittteilung zukommen zu lassen, dass wir pesce per due brauchen…
Und so war es dann auch: Am Abend des gleichen Tages teilten wir uns die eine Scheibe, am Mittag des folgenden Tages die zweite. Auch in Ferienwohnungen und mit wenigen Mitteln können die Geschmacksrichtungen ja variieren, weswegen es abends Rucula, Tomaten mit Kapern (die waren warm, weil in der Pfanne) und einen Salat dazu gab.
So ein Urlaub will ja ordentlich vorbereitet sein -. auch sprachlich. Also schnell noch einen Sprachkurs gekauft und auf den iPod geschmissen, so dass auf dem Weg zur Arbeit und beim Rückweg nach Hause das Hirn quasi subkutan mit Italienischem gefüttert wird.



