Bombige Überraschung

Heute brachte uns der Postbote ein Päckchen. Sylke nahm es entgegen und rief mich im Büro an. “Erwartest Du Post?” – “Nein…” – “Ist aber was gekommen. Ein weißer weicher Umschlag. Sieht aus wie eine Bombe, hat so einen Huckel. Und auf dem Umschlag stehen, außer der Anschrift, merkwürdige Anweisungen: NICHT KNICKEN! NICHT HEISS LAGERN! NICHT IN DER NÄHE VON TIEREN LAGERN! NICHT WERFEN!” Ein Absender war auch vermerkt: Ein CH. S. aus irgendwo in Bayern, der Postleitzahl nach zu urteilen. “Zeh Haa Punkt? Kenn’ ich nicht!” sage ich, und Sylke – das sehe ich durch den Telefonhörer! – schaut mich ungläubig an. Wir einigen uns darauf, dass sie die Bombe nicht öffnen und mich mich am späten Nachmittag den Held spielen lassen soll.

Stunden später…

…haben wir die Rollen getauscht: Ich zu Hause, Sylke in der BrennNessel arbeiten. Der Umschlag mit der Bombe drin liegt auf dem Tisch. Ich nehme ihn, vorsichtig, ganz vorsichtig natürlich, ans Ohr. Er tickt nicht – moderne Bomben werden immer perfekter. Aber der Umschlag strömt einen sehr angenehmen Duft aus. Betörend! Ich öffne ihn, natürlich immer noch ganz vorsichtig. Es riecht nach Apfel, und heraus rollt ein weißes Rund, das beschriftet ist: maçã, appel, pomme, äpple, manzana, mela, eple, alma, jabloko, omena, apple. Zugenäht oben, mit zwei, drei kühnen Stichen.Und drinnen? Ein Apfel – so, wie es draußen drauf stand!

Mir war es ja schon beim Auspacken wie Schuppen aus den Haaren gefallen – das war die Einlösung eines Versprechens.

Danke! Und natürlich kenne ich Ch. S. aus irgendwo in Bayern! Jedenfalls virtuell, und nun auch vom Apfel!

2007 – was bisher geschah

DD2007 Titel (by Ulrich van Stipriaan)Das Jahr fing gut an. Unscharf ausgedrückt sind wir einem Freund aufs Dach gestiegen – korrekt natürlich: Wir sind mit ihm aufs Flachdach seines Hauses gekrabbelt, um das neue Jahr zu begrüßen. Sowohl Sylke als auch ich hatten unsere Kameras nebst Stativ aufgebaut – was aber nix nützte, weil das Dach schon vor Verzückung bebte, wenn sich zwei der Mitfeiernden ihre Gläser zum Wohle aufeinander zu bewegten. Mit einem Haufen unscharfer Bilder liefen wir also irgendwann zwischen Tag und Traum nach Hause, was sehr schön war und im Nachhinein sogar als Zeichen gedeutet werden könnte. Nicht die Unschärfe der Fotos, sondern das Laufen – doch dazu später mehr. 2007 – was bisher geschah weiterlesen

Doch nicht so exzellent…

Es stand in der Zeitung (der Sächsischen): Die TU Dresden macht mit beim bundesweiten Wettbewerb, “Elite-Uni” zu werden. Auf den TU-Seiten konnte man lesen: “Mitte September 2006 mussten die Anträge für Exzellenzcluster, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte der Hochschulen bei der DFG eingereicht werden. Die TU Dresden hat sich mit einem Exzellenzcluster, zwei Graduiertenschulen und einem so genannten Zukunftskonzept in der 3. Förderlinie beteiligt.” Heute entschieden nun eine gemeinsame Kommission der DFG und des Wissenschaftsrates, welche Projekte zur Einreichung von Vollanträge aufgefordert werden – und da sieht es für die TU Dresden gar nicht gut aus, denn laut Pressemitteilung der DFG kommt die TU gar nicht vor.
In der zweiten Ausschreibungsrunde wurden sowohl neu eingereichte Antragsskizzen als auch Anträge aus der ersten Förderrunde beraten. Bis September 2006 waren bei der DFG insgesamt 261 neue Antragsskizzen von 70 Universitäten aus allen Bundsländern eingereicht worden: 118 Antragsskizzen für die Förderlinie Graduiertenschulen, 123 Antragsskizzen für die Förderlinie Exzellenzcluster und 20 Antragsskizzen für die Förderlinie Zukunftskonzepte. Hinzu kamen 16 Initiativen für Graduiertenschulen und 21 für Exzellenzcluster sowie sieben Zukunftskonzepte aus der ersten Runde. Insgesamt ging (geht…) es um viel Geld: Rund eine Milliarde Euro sind zu verteilen…

24. 12. 2006


Als ich ein kleiner Junge war…
…nannte Erich Kästner seine Erinnerungen. Ich gestatte mir die Anleihe bei diesem großen Schriftsteller aus Dresden…

Als ich ein kleiner Junge war, benahm sich Weihnachten noch nicht so kommerziell wie heute – und es hatte (deswegen? ich denke: ja) einen eigenen Reiz. Das hat nichts mit Verklärung und Alter-Sack-Philosophie zu tun, denn ich stelle fest, dass die Verwirtschaftlichung nicht nur mir auf den Keks geht, sondern auch vielen jüngeren Menschen. Gleichalten sowieso…
Bei der Vesper vor der Frauenkirche gestern wurde das Thema auch angesprochen, und es gab rundrum wohlgefälliges Nicken. Dort, auf dem Platz vor der Kirche mit dem monumentalen Gebäude im Hintergrund, war auch der einzig peinliche Moment, als das Gedudel von nebenan die ganz eigene Stimmung vor der Kirche störte.
Aber ich schweife ab. Damals, in meiner Jugend, gab es am Heiligen Abend ein sehr schönes Ritual. Als kleiner Junge war ich vom Wohnzimmer ausgeschlossen seit ein, zwei Tagen vorher. Ich glaubte schon nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber spannend war es dennoch jedes Jahr, wenn die Tür zuging und ich nicht mehr rein durfte…
Mein Vater, dieser alte Weihnachtsmann, schmückte den Baum, brachte (natürlich: Wachs-)Kerzen an, die Geschenke wurden platziert. Es gab Stammplätze für jeden in der kleinen Familie, und ganz ganz früher wuchs die elektrische Märklin-Eisenbahn jedes Jahr ein wenig an. Hat er selbst damit heimlich gespielt? Hm, weiß ich nicht, muss ich mal nachfragen…
Am Heiligen Abend verkürzte gemütliches Teetrinken (wir sind Ostfriesen!), mit Stollen und Weihnachtsgebäck die Wartezeit – keine Fernsehsendung machte uns das Warten aufs Christkind erträglich, sondern die Familienrunde.
Um fünf Uhr klingelte dann das Glöckchen, kein elektrisches Licht war mehr an – nur der Schein der Kerzen flackerte durch das Zimmer. Während es nun ein wenig feierlich wurde (sangen wir eigentlich? ich glaub nicht, mangels allgemeiner Stimmkraft), taxierte das Auge schon die Verpackungen: Was mag da drin sein? Und was ist neu an der Eisenbahn???
Später dann das Abendessen – Kartoffelsalat und Kassler. Gibt es übrigens heute auch – beim ersten gemeinsamen Weihnachtsfest!
Frohe Weihnachten allen!

Dirk Jesse

Der Grund für den honigkuchenpferdähnlichen zufriedenen Gesichtsausdruck liegt in der Hand: Dirk hat ein Buch geschrieben – und es sich druckfrisch gleich einmal auf mögliche übersehene Fehler vorgenommen. “Liest sich gut!” schmunzelte er – und die Fehlerquote ist minimal. Das Buch ist das Ergebnis rund einjähriger intensiver Arbeit an dem mittlerweile wegweisenden CSS-Framework YAML. Es ist, anders als andere Fachbücher, nicht nur intelligent, sondern auch flott geschrieben. Wer noch kein Weihnachtsgeschenk und mit Webentwicklung zu tun hat:
Das Buch CSS-Layouts

Rätsel des Alltags (4): Service?

Ein National Geographics Probeabo, kostengünstig – warum nicht. Abbestellen eine Woche nach Erhalt des dritten Heftes – kein Problem. “PS: Nutzen Sie jetzt unser Kundenportal im Internet unter http://www.meinabo.de/kundenservice. Dort finden Sie alle Informationen zu Ihrem Abbonement auf einen Blick und können viele Servicevorgänge noch schneller und einfacher selbst durchführen!”
Viele, nur diesen einen nicht: Abbestellen.
Service, liebe Verlagsmenschen, heißt auch dann nett zu dem Kunden sein, wenn er aus sicher guten Gründen nicht mehr mit dem Verlagsprodukt einverstanden ist und es abbestellen möchte. Für mich schwindet die Glaubwürdigkeit, wennn ich via Internet einfach alles bestellen kann – und nichts einfach wieder abbestellen kann…

Hermann Kokenge

Hermann Kokenge
Habemus Magnificentiam: Prof. Hermann Kokenge wurde heute Nachmittag im dritten Wahlgang vom Konzil der TU Dresden als Rektor der TU Dresden wiedergewählt. Es war das dritte Mal, das das Konzil zur Wahl versammelt war, aber anders als bei Wahlgang Nummer eins und zwei hatte der Senat für heute eine echte Auswahl vorgeschlagen: neben Kokenge (Fakultät Architektur) die Professorin Ursula Schaefer (Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften) und Professor Winfried Killisch (Fakultät Forst-, Geo-, Hydrowissenschaften).
Glückwunsch also an den symphatischen Landschaftsarchitekten, der ein Mann mit Visionen und feinem hintergründigen Humor ist – was für den Weg zur Exzellenzuniversität, den er für die TU Dresden maßgeblich mit eingeleitet hat, ja nicht das Schlechteste ist!
Das Bild wurde während der Wissenschaftsshow “Superstars of Science” aufgenommen.

Rätsel des Alltags (3): Vorfeiertagshamsterkaufverhalten

EinkaufswagenHeute ist Feiertag in Sachsen – Reformationstag.
Reformationstag – was ist das? Durchaus nicht unkluge Abiturienten fragen: Warum ist eigentlich frei? Selbst Luther steht wie symbolisch außen vor – vor der Frauenkirche in Dresden, zumindest. Den Leuten vom Prekariat und anderen Ra(s)tlosen ist das Fest egal – sie haben nur eins: Angst vorm Verhungern. Oder vorm Verdursten. Oder vor beidem.
Heute ist Feiertag in Sachsen – gestern war, sorry für diesen Kalauer, die Hölle los bei Aldi, Lidl & Co. Wie die Ausgemerkelten stürmten die Leute die Supermärkte, die hier in Dresden immer noch gerne “Kaufhallen” genannt werden – so wie damals die notorisch unterversorgten Ladenketten HO und Konsum hießen (es gab auch Läden von Tante Emma, aber die waren keine Kaufhalle und starben folgerichtig aus).
Als ob morgen die Welt untergänge kauften sie gestern Unmengen von Allem. Chaos in der Tiefgarage, eine Stunde vor Ladenschluss nur noch ein Brot beim Bäcker und zwei Sorten Brötchen. Beides natürlich völlig ausreichend, aber ungewohnt, denn sonst tummeln sich bis kurz vor acht bis zu zehn verschiedene Brotsorten und mindestens eben so viele Brötchen in den Regalen und Körben.
Der einzige Vorteil, den wir hier in Sachsen haben: heute ist Feiertag und alle Geschäfte haben zu. Im katholischen Teil der Republik ist morgen Feiertag – und heute die Hölle los…

Rätsel des Alltags (2): Zeitumstellung

UhrwerkÜber die Schwierigkeiten der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit habe ich mich ja schon mal ausgelassen, aber in Wirklichkeit ist das Problem ja ein ganz anderes. “Um drei Uhr wird die Uhr um eine Stunde zurück gestellt!” heißt es, was mir alljährlich als Nichtinhaber einer aus dem Hessischen funkgesteuerten Uhr Probleme bereitet: Was ist, wenn ich nicht Punkt drei an alle umzustellenden Uhren rankomme? Habe ich, wenn ich erst um neun Uhr Uhranzeigezeit, also um acht Uhr Winterzeit, gegen das Zeitgesetz verstoßen – und wenn ja, wie viele Stunden lang? Kann mir das mal jemand moralisch-ethisch sowie mathematisch auseinander klamüsern?
Danke, und nun weiter mit Leben.

Rätsel des Alltags (1): Im Kino

Im KinoBei den meisten Kinos hier in Dresden kaufst Du eine Karte und erhältst sie mit dem Aufdruck von Reihe und Platz. Du hast also einen reservierten Platz, was von Vorteil ist, wenn man die Werbung schon kennt: Du kannst die Karte am Nachmittag besorgen, essen oder shoppen oder sonstwas gehen, spät kommen und dennoch auf gutem, weil reservierten, Platz sitzen.
Theoretisch.
Praktisch ist das aber im wirklichen Leben hier in Dresden so:
Du besorgst dir die Karte am Nachmittag, gehst essen oder shoppen oder sonstwas, kommst spät – weil ja der Platz reserviert ist – und stellst fest: Da sitzt schon jemand. “Entschuldigung, das sind unsere Plätze!” Entsetzter Gesichtsausdruck bei den dort Sitzenden: “Nun stellen Sie sich doch nicht so an! Nebenan (alternativ: weiter vorne) sind doch noch Plätze frei!”
Klar, das sind die von denen, die nun auf meinem (unseren) Plätzen sitzen. Oder die von anderen, die auch nicht auf ihren ihnen zugewiesenen Plätzen sitzen. “Macht nichts!” säusel ich: “Ich will aber hier sitzen!” (Mit Trotzkopfgesichtsausdruck!)
Missmutig stehen die Reserviertplatzsitzvorwärmer auf, beschimpfen mich (uns) – und setzen sich auf andere, nicht ihnen zugewiesene Plätze…