Piesteritz vor den Toren Wittenbergs (und seit 1950 eingemeindet) ist ein Stadtteil, der von seinem Hauptarbeitgeber dominiert wird: Das Stickstoffwerk, 1915 gegründet, bestimmt im Hintergrund fein umzäunt die Kulisse. Den Vordergrund hingegen bildet die Piesteritzer Werkssiedlung. Sie entstand in etwa zeitgleich zum Werk. Otto Rudolph Salvisberg, ein Schweizer Architekt, konzipierte von 1915-1919 für rund 2.000 Menschen ein Wohngebiet mit 363 Häusern.
Wer Dresden-Hellerau kennt, fühlt sich heimisch in dieser Hobbit-Siedlung – die Idee ist schließlich die gleiche. Die Umsetzung hingegen ist in Piesteritz aus heutiger Sicht gelungener – der EXPO 2000 und der “Bayernwerk AG”, die insgesamt rund 40 Millionen Euro für die Sanierung bereitstellte, sei Dank.
Die zwar erhaltenen, aber DDR-grauen Häuser erhielten bei der Renovierung ihr ursprüngliches Aussehen zurück. Außerdem wurde, ebenfalls im Rahmen des EXPO-Projekts, die Idee einer autofreien Siedlung realisiert.
Archiv für die Kategorie ‘Urlaub A-Z’
W – wie Werkssiedlung Piesteritz
Samstag, 23. Juli 2005U – wie Urlaubswetter
Samstag, 23. Juli 2005
Thema Nummer eins ist nicht, was viele für Thema Nummer eins halten. Thema Nummer eins ist das Wetter. Scheint die Sonne, ist es eigentlich immer zu heiß. Scheint sie nicht, sollte sie es besser tun – früher die Sommer waren da ganz anders. Regnet es gar? Dann ist Urlaub in Deutschland. Du siehst früh morgens um elf aus dem Fenster – und es regnet. Cats and Dogs, wie die Engländer sagen, oder auch Bindfäden, wie man sich hier zu Lande auszudrücken beliebt. Katzen, Hunde, Bindfäden: Egal. Der Himmel ist grau, der Boden feucht, die Laune hin.
Und dann reißt der Himmel auf, erst zögerlich, dann heftig, behält fotografenfreundlich die eine oder andere Cirrus und Stratocumulus. Und es ist ein guter Urlaub. So schnell geht das.
H – wie Hundertwasserschule
Samstag, 23. Juli 2005
Die Häuser rund um die Wittenberger Straße der Völkerfreundschaft haben den Charme aller Plattenbausiedlungen, die in der DDR das neue moderne Wohnen mit Dusche und Toilette in der eigenen Wohnung (statt zwischen den Geschossen oder im Hof) und Zentralheizung (statt Ofen) einläuteten. Doch die Schule, die da mit Hausnummer 130 steht, reißt vieles raus: Friedensreich Hundertwasser hat den Plattenbau Typ Erfurt II in der ihn eigenen Art umgestaltet, und nun wachsen dem Martin-Luther-Gymnasium Bäume aus den Fenstern, glänzen goldene Kugeln überm Dach, ist vieles rund und wenig eckig. Und die Touris kommen, das Wunder von Wittenberg zu schauen. Egal wie das Wetter ist, was nach ausgiebigem Landregen immerhin die Chance eröffnet, Hundertwasser in einer riesigen Schulhofpfütze zu sehen…
L – Wie Lutherstadt Wittenberg, hier: Erste These
Samstag, 23. Juli 2005
Lutherstadt Wittenberg – das ist so ein Stadtname, auf den man ja auch erst mal kommen muss. Ich mein’: Die meisten Städte, manchmal gar Dörfer, schlimmstenfalls auch einfache Flecken, geben sich gerne Beinamen. Sie tun es, um anzugeben und den Nichtwissenden zu signalisieren: Seht her, wir sind auch was! Dresden ist Elbflorenz – was prinzipiell in Ordnung geht, denn die Stadt hat was Italienisches, und mit Florenz kann Dresden mithalten. Aber wo ist das “Nizza des Ostens”? Heringsdorf, Binz, Usedom komplett? Auch Radebeul, fernab aller Meeresstrände, genießt den Ruf, und das natürlich “wohl mit Recht” (Reinhold Zieger 1909)… Wie so oft bei Vergleichen sollten man allerdings aufpassen: Nur wer Eigenes zu bieten hat, ist unvergleichlich. Statt nach Radebeul (Heringsdorf, Binz, etc) lieber gleich nach Nizza – das hat was! Meistens sowieso besseres Wetter…
Doch ich schweife ab: Lutherstadt nennt sich Wittenberg seit 1938, weil Luther dort lebte und natürlich zweifelsohne die Welt Bewegendes lehrte. Alles luthert in dieser Stadt, von der (nachgebauten, weil im Original verbrannten) Tür mit den 95 Thesen (wenn’s denn überhaupt stimmt…) an der Schlosskirche bis zur Nachwende-Erfindung “Wittenberger Stadtfest Luthers Hochzeit” im Juni (am 13. Juni 1525 fand das Original statt).
Wundert es da noch jemand, dass es auch Andersgläubige gibt? Direkt am Marktplatz fand sich die “These I: Lutherkult abschaffen”.
S – wie Sendung mit der Maus
Samstag, 23. Juli 2005
Der Abend ist lau, die Tür zur Terrasse weit offen. Minka, die Katze des Gasthauses, ist draußen auf jück. Plötzlich ist eine Maus im Haus. So eine kleine, niedlich Feldmaus. Erst wollte sie mit uns den skurrilen Film “Drei gegen Troja” sehen. Dann fühlte sie sich durch unser Lachen bedrängt und verkroch sich hinter dem Fernseher. Das war vielleicht ihr Glück, denn just zu diesem Zeitpunkt spazierte die Hauskatze hinein – die Maus missachtend quer durchs Zimmer. Um ungewollte Begegnungen der dritten Art zu vermeiden, schlossen wir die Katze aus dem Wohnzimmer aus und überredeten die Maus, eben jenes zu verlassen. Mit etwas Geschick und einigen Umwegen gelang das dann auch.

