24. 12. 2006


Als ich ein kleiner Junge war…
…nannte Erich Kästner seine Erinnerungen. Ich gestatte mir die Anleihe bei diesem großen Schriftsteller aus Dresden…

Als ich ein kleiner Junge war, benahm sich Weihnachten noch nicht so kommerziell wie heute – und es hatte (deswegen? ich denke: ja) einen eigenen Reiz. Das hat nichts mit Verklärung und Alter-Sack-Philosophie zu tun, denn ich stelle fest, dass die Verwirtschaftlichung nicht nur mir auf den Keks geht, sondern auch vielen jüngeren Menschen. Gleichalten sowieso…
Bei der Vesper vor der Frauenkirche gestern wurde das Thema auch angesprochen, und es gab rundrum wohlgefälliges Nicken. Dort, auf dem Platz vor der Kirche mit dem monumentalen Gebäude im Hintergrund, war auch der einzig peinliche Moment, als das Gedudel von nebenan die ganz eigene Stimmung vor der Kirche störte.
Aber ich schweife ab. Damals, in meiner Jugend, gab es am Heiligen Abend ein sehr schönes Ritual. Als kleiner Junge war ich vom Wohnzimmer ausgeschlossen seit ein, zwei Tagen vorher. Ich glaubte schon nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber spannend war es dennoch jedes Jahr, wenn die Tür zuging und ich nicht mehr rein durfte…
Mein Vater, dieser alte Weihnachtsmann, schmückte den Baum, brachte (natürlich: Wachs-)Kerzen an, die Geschenke wurden platziert. Es gab Stammplätze für jeden in der kleinen Familie, und ganz ganz früher wuchs die elektrische Märklin-Eisenbahn jedes Jahr ein wenig an. Hat er selbst damit heimlich gespielt? Hm, weiß ich nicht, muss ich mal nachfragen…
Am Heiligen Abend verkürzte gemütliches Teetrinken (wir sind Ostfriesen!), mit Stollen und Weihnachtsgebäck die Wartezeit – keine Fernsehsendung machte uns das Warten aufs Christkind erträglich, sondern die Familienrunde.
Um fünf Uhr klingelte dann das Glöckchen, kein elektrisches Licht war mehr an – nur der Schein der Kerzen flackerte durch das Zimmer. Während es nun ein wenig feierlich wurde (sangen wir eigentlich? ich glaub nicht, mangels allgemeiner Stimmkraft), taxierte das Auge schon die Verpackungen: Was mag da drin sein? Und was ist neu an der Eisenbahn???
Später dann das Abendessen – Kartoffelsalat und Kassler. Gibt es übrigens heute auch – beim ersten gemeinsamen Weihnachtsfest!
Frohe Weihnachten allen!

2 Gedanken zu „24. 12. 2006“

  1. Liebe Sylke, lieber Uli!

    Ich wünsche euch zwei Verrückten ein wunderschönes erstes gemeinsames Weihnachtsfest.

    Wer hätte das vor einem Jahr gedacht :-)

    Christoph

  2. das wünsche ich euch auch – und vor allem mögen noch viele folgen. ich denke der kartoffelsalat hat geschmeckt, wie der bei mir zu hause auch…

    und zu deinen erinnerungen – irgendwie sind meine ganz ähnlich, ich hatte nur eine tt-eisenbahn von zeukke, aber nicht ins zimmer und solche heimlichkeiten – schöne erinnerungen….

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