Urlaubs-ABC: V wie Vergangenheit

„Welche Schande! Nur ungern gebe ich zu, dass dies Bild, nein, dies naturgewaltige Gemälde mich zwar entsetzt, aber zugleich ergriffen hat. Ein Wille ging von ihm aus, dem zu folgen geboten schien. Diesem erhaben fortschreitenden Verhängnis war nichts in den Weg gestellt. Eine Flut, die mitriss. Und der von unten allseits aufsteigende Jubel hätte womöglich auch mir – und sei es versuchsweise – ein zustimmendes „Sieg Heil!“ entlockt, wenn nicht Max Liebermann jenen Satz beigesteuert hätte, der später überall in der Stadt als geflüsterte Parole in Umlauf blieb. Sich von dem geschichtsträchtigen Bild wie von einem firnisglänzenden Hiostorienschinken abwendend, berlinerte er: „Ick kann janich soviel fressen, wie ick kotzen möcht.““

Günter Grass, Mein Jahrhundert. Text aus dem Kapitel „1933“. Bild von einer Lesung mit Günter Grass und dem Dresdner Trommel-Percussion-Genie Günter „Baby“ Sommer.