U2 in Berlin

U2Guten Tag, meine Damen und Herren! Aus der Serie „schlechte Bilder zu geilen Konzerten“ folgt heute der Beitrag über das (unterstrichen, gefettet und mit zwei bis drei Ausrufezeichen versehen, also: das(!!!)) Konzert des Jahres. U2, in der letzten Zeit auch schon mal als alte Säcke bezeichnet, rockten das Olympiastadium, und es war einfach nur gut. Aber das kann man ja überall lesen, also hier jetzt einige Anmerkungen zum Drumherum, exklusiv und unverbraucht.
Da ist erstens einmal die Anfahrt zum Olympiastadium zu nennen. Das Teil ist fast so gut ausgeschildert wie unsere Wohnung in der Südvorstadt – nämlich nahezu gar nicht. Einmal ein Schild auf der Autobahn, dann lange Zeit nichts, und zum Schluss ganz kleine niedliche Fußgängerschildchen. Sollte versehentlich doch mal jemand ankommen, ist es nahezu unmöglich, einen Parkplatz zu finden. Polizei steht nur rum und lässt einen gegebenenfalls irgendwo nicht durch, der Rest ist der üblichen Eigeninitiative überlassen, was in einem Wohngebiet mit kuscheligen Seitenstraßen köstliche Stressszenen ergibt. Vor allem Profi-Reaktionen von Taxifahrern und Anrainern sind reif fürs Drehbuch irgendeiner beliebigen Seifenoper.
Irgendwie hatten wir im Viererpack mit Dirk, Jana und Felix es geschafft, und wie es sich gehört, wenn Engel reisen, klarte der ansonsten regnerische und wolkenverhangene Himmel auf. Wir hatten Karten fürs Rund unten, wo es mir jedoch deutlich zu eng war: Oben gab es noch freie Sitzplätze, kann man ja mal versuchen. Siehe da: Keine Kontrolle! Dirk blieb mit Jana unten (Reihe 96 auf dem Bild, 84. und 85. von rechts), Felix setzte sich mit mir in Block S. Das ging 30 Minuten gut, bis die rechtmäßigen Inhaber der Plätze höflich anfragten, ob sie da sitzen dürften. Durften sie, es gab ja noch genug andere freie Plätze.
Hier kam dann allerdings auch ein Paar, und das Mädel sagte sogar: „Es tut mir leid!“ Ja, man kann sagen, es war eine freundliche Atmosphäre, obwohl die Vorband eher hilflos wirkte, weil ihr eine Gitarre ausgefallen war und sie ohne die nicht spielen wollte. Als auch bei unseren gewählten dritten freien Plätzen rechtmäßige Karteninhaber kamen, gaben wir es auf und stellten uns an die Rampe, immer noch oben unterm Dach. Das war eine gute Entscheidung, denn man hatte:
– vollen Überblick!
– es nicht weit zum Bier!!
– und nette Nachbarn!!!
Die Nachbarn waren aus Kopenhagen angereist: Jasper, ein Jurist und U2-Fan („mein 5. Konzert!“) und seine Freundin aus New York, die auch in Kopenhagen lebt. Jasper war sehr enttäuscht vom deutschen Konzertbierverkauf, weil die weder seine Visakarte noch dänische Kronen akzeptierten. Ich bot ihm an, die Wechselstube zu spielen, was er sehr nett fand und nun dazu führt, dass wir demnächst mal nach Bornholm werden fahren müssen! Wir haben dann das eine oder andere Bier zusammen getrunken und uns nett unterhalten. Beispielsweise, warum U2 wirklich ein LIVE-Konzert waren, während R.E.M. nur live gespielt haben: Der Unterschied ist, wenn eine Band auf der Bühne sich anders verhält als im Plattenstudio. Um es mal so auf den Punkt zu bringen. Dass Bono dann auch noch politisch wurde und sowohl auf die Attentate in London einging („You must not become a monster to defeat a monster“ – wiedergefunden bei Johnny) als auch noch einmal Werbung für Live 8 Anliegen machte, rundete den Eindruck positiv ab.
[Update] Nun ist auch Dirk aufgewacht