Erlebnisurlaub auf der Schiene

“…wird voraussichtlich zehn Minuten später eintreffen wegen eines Schadens an der Signalanlage.” Die Stimme aus dem Lautsprecher klang wie aus dem Computer – desinteressiert, unbeteiligt, ist doch alles egal.
Aus den zehn Minuten wurden fünfzehn, zwanzig, dreißig. Auf dem Bahnsteig von Hamm (Westfalen) vergeht die Zeit ja wie im Fluge – zumal wenn gleichzeitig die Fans von Werder Bremen und die von Borussia Dortmund ebenfalls auf verspätete Züge warten, weil so ein Signal ja nicht nur für ICs im Fernverkehr gilt.

“…Sitzplatzreservierung leider nicht geklappt hat, weil die Software ausgefallen ist!” Die Stimme des zarten Frolleins klang engagiert wie aus der vollautomatischen Kundenabwimmelungsanlage – desinteressiert, unbeteiligt, ist doch alles egal. Sich um uns kümmern wollte sie auch nicht, wir könnten doch selber freie Plätze suchen im Zug.

“…willkommen auf dem Nichtraucherbahnhof!” Schönes Wort, aber woher kommen denn dann die Kippen direkt vor den Eingangstüren des Reginalexpresses? Die Fans der Grün-Weißen wie die der Schwarz-Gelben lassen sich doch ihre Freude am Leben nicht nehmen! Und dazu gehört natürlich rauchen auf dem Bahnsteig wie Biertrinken aus der Flasche (immerhin: Flasche!) im Wagen. Und immer selbstverständlich gröhlen. Laut und bar aller Melodie. Die Bahn tut ihr Teil dazu und lässt den vollgestopften Zug lüftungsfrei durchs Münsterland reisen. Klimaanlage? Fehlanzeige! Fenster? Ja, aber nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen. Da jammerten sogar die Gröhler.

“…ICE wird voraussichtlich 45 Minuten später eintreffen.” Die Stimme aus dem Lautsprecher kommt klar artikuliert und kein bisschen sächsisch – wer hätte das in Leipzig erwartet? Die netten Damen des Service Point empfehlen den Regionalexpress nach Dresden. Der fährt zwar langsamer und hält, wie man früher sagte, an jeder Milchkanne – aber er fährt pünktlich ab und schafft es ohne Verspätung. Außerdem lehrt ja die Erfahrung, dass die ersten durchgesagten Verspärungsminuten eher mehr und selten weniger werden.

Service Point: Auch so ein Wort. Beschwerde- und Auskunftstelle klingt direkter, käme aber der Funkton wohl näher. Nun will ich nur noch wissen, was ein “Fullfillment Center” ist, das mir die im Internet bestellten Fahrscheine geschickt hat…

PS: In Coswig kurz vor Dresden hielt unser RE, und der Sprecher gab bekannt: “Unser Zug hält jetzt ein wenig. Wir bekommen eine Ãœberholung eines verspäteten ICE.” Großer Entsetzensaufschrei nahezu aller Mitreisenden. Unser ICE bremst uns aus: Zehn Minuten Verspätung wegen dem da…

Von Chipude zum Garajonay (3): 1.487 Meter über Meeresspiegel

Der Garajonay (Alto de Garajonay) ist der höchste Berg der Insel. Aber nicht wirklich spektakulär, vor allem bei diesiger Sicht, die – hallo Regenwald! – eher die Regel ist. Das Steinhäufchen auf dem Plateau hat mit dort gefundenen Relikten einer Kultstätte zu tun.
Nett ist die Geschichte, wie der Berg zu seinem Namen kam. Sie spielt im 15. Jahrhundert, und damals gab es noch Prinzen und Prinzessinen. Die waren immer schön und verliebten sich manchmal nicht standesgemäß.
Die schöne Prinzessin Gara war so eine: Sie verliebte sich in den armen Bauernsohn Jonay, der auf der Nachbarinsel Teneriffa lebte und auch verliebt war – nämlich in die Prinzessin. Täglich fuhr er rüber nach Gomera – mit einem Floß sicher kein Zuckerschlecken.
Prinzessin und Bauer – das konnte ja nicht gut gehen! Ein Priester prophezeite den beiden Unheil, und was der König so sagte, davon wollen wir gar nicht reden. Dennoch wollten die beiden heiraten!
Am Tag der Hochzeit jedoch spielte die Natur verrückt: Ein starkes Erdbeben erschütterte Teneriffa. Der Teide spie Lava. Das Meer um La Gomera färbte sich blutrot – und die Insel begann zu glühen.
Ein Schuldiger war schnell gefunden: Jonay! Die adelige Verwandtschaft der Prinzessin fand, dass es genug sei mit Naturkatastrophen und brachte Jonay (natürlich gegen seinen und der Prinzessin Willen!) zurück nach Teneriffa.
Des Dramas letzter Akt: Jonay kommt wieder nach Gomera, schnappt sich Gara und flieht mit ihr ins damals touristisch noch nicht erschlossene Hochland. Warum die beiden dort nicht in Liebe glücklich weiterlebten, sondern mit dem Schicksal haderten, ist nicht überliefert. Offensichtlich haben sie zuviel diskutiert und die fatale Bilanz gezogen, dass es alles und vor allem ihrer beider Leben keinen Sinn mehr mache: Eine an beiden Enden gespitzte Lanze aus Lorbeerholz, gleichzeitig von beiden angegangen, endete in ihren hübschen Körpern. In inniger Umarmung ging das Liebespaar in den Tod – und der Berg heißt seitdem Garajonay.

Von Chipude zum Garajonay (2): Gemütlich durch den Park

Terrassenanbau (by Ulrich van Stipriaan)Wer sich die Kraxelei auf den Fortalezza erspart (oder sie auf einen anderen Tag aufschiebt…), wird dennoch nicht enttäuscht: Die nächste Stunde muss man sich nur oft genug umsehen, um das gewaltige Massiv in der ganzen Pracht zumindest aus der Distanz zu erleben. Der Weg selbst ist weitgehend gemütlich, geht mal rauf und dann wieder runter. Auch ein Stück Straße (die nach Erque) ist laut Plan vorgesehen – uns ist allerdings nicht ein Auto begegnet, so dass auch dieser Abschnitt erträglich war.
Wieder im Wald gibt es geniale Blicke, die theoretisch die hier Barrancos genannten Täler entlang bis zum Meer erlauben. Wenn allerdings milchig-neblige Wolken im Tal hängen, schweift das Auge nicht gar so weit und bleibt an den sich künstlerisch am Hang lang schlängelnden Straßen hängen. Große Freude, wenn sich da ein Baufahrzeug hochquält, das so breit wie die Straße und so langsam wie eine Schnecke ist. Aber, schade, schade: Keiner kam ihm entgegen, keiner folgte ihm, so dass es nichts Besonderes zu beobachten gab…
Das gemächliche Auf und Ab führt in den Nationalpark – und prompt wird es grün, so als ob sich die Vegetation an Nationalparkgrenzen hält. Ein Bach quert (wir hatten ja einen Wanderhund dabei, der sich da bestens verpflegte), man blickt auf offensichtlich nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Terrassen, passiert das höchste Dorf der Insel: Igualero liegt 1.300 Meter hoch. Kurze Überschlagsmilchmädchenrechnung: Von Chipude bis hierhin haben wir also 250 Höhenmeter geschafft (ohne die kleinen Schikanen des Auf und Ab), der Garajonay ist 1487 Meter hoch – das Gröbste scheint überwunden.
Pustekuchen: Es geht doller rauf als bisher und es ist irgendwie weniger interessant auf den letzten Metern bis zum höchsten Berg der Insel…

2007 – was bisher geschah

DD2007 Titel (by Ulrich van Stipriaan)Das Jahr fing gut an. Unscharf ausgedrückt sind wir einem Freund aufs Dach gestiegen – korrekt natürlich: Wir sind mit ihm aufs Flachdach seines Hauses gekrabbelt, um das neue Jahr zu begrüßen. Sowohl Sylke als auch ich hatten unsere Kameras nebst Stativ aufgebaut – was aber nix nützte, weil das Dach schon vor Verzückung bebte, wenn sich zwei der Mitfeiernden ihre Gläser zum Wohle aufeinander zu bewegten. Mit einem Haufen unscharfer Bilder liefen wir also irgendwann zwischen Tag und Traum nach Hause, was sehr schön war und im Nachhinein sogar als Zeichen gedeutet werden könnte. Nicht die Unschärfe der Fotos, sondern das Laufen – doch dazu später mehr. 2007 – was bisher geschah weiterlesen