Frohes Neues Jahr!

So this was 2006…
…and welcome 2007! Damit das neue Jahr seinen geordneten Gang gehen kann, gibt es drüben bei Flickr wieder einen Dresden-Kalender. Vom Set aus kann man jedes Blatt einzeln ausdrucken oder als Desktop-Hintergrund laden, aber auch ein Klick auf das Bild hier bringt Links zu den einzelnen Monaten.
Frohes neues Jahr!
Happy new Year!
Godt Nytt Ã…r!
Gelukkig nieuwjaar!
Bonne Année!
Feliz Año Nuevo!

Vom Wandern

Willst du eine Landschaft in ihrer Schönheit erfahren, musst du sie erlaufen, sagt Sylke immer. Das ist sehr schön formuliert – und es stimmt. Das Problem ist für einen Schreibtischhengst wie mich natürlich, dass Wandern im Churchill’schen Sinne Sport ist und ich eigentlich seiner No-Sports-Theorie bedingungslos folge. Doch wo die Liebe hinfällt…

…macht sogar das Wandern Spaß. Mal abgesehen davon, dass sich hier ganz neue Einkaufswelten erschließen, die nahezu alle mit dem Wort “Funktions…” beginnen, erlebt man in der Tat eine Menge Dinge, die man so nicht für möglich gehalten hat.

Da ist zum Beispiel die Sache mit der Trittsicherheit und der Schwindelfreiheit, von der man (meist in dieser Kombination) in einschlägigen Wanderführern oft und gerne liest. Als Journalist ist mir Schwindelfreiheit natürlich fremd, mir wird schon schwummrig, wenn ich andere in der Nähe eines Abgrunds sehe. Wenn ich selbst schmale Wege, also solche mit weniger als 100 Zentimetern asphaltierter Breite, zu beschreiten habe, gibt es einige unbeschreibliche Symptome, die ich im Folgenden einmal zu beschreiben versuche.

Zuerst erwähnen sollte man das das “Immer-an-der-Wand-lang-Syndrom“. Das besagt, dass bei einem Abgrund rechts und einem nur leichten Halt (Wand, Stein, wasweißich) links man natürlich scharf links geht – und umgekehrt. Bei Wanderungen mit sich steil den Berg herauf- oder – noch schlimmer! – herabwindenden Steilkehren braucht man mithin mal die linke, mal die rechte Hand zum Abstützen. Wenn’s weder rechts noch links einen Halt gibt, ist das für Nichtschwindelfreie doof und führt zum frühkindlichen Krabbeln, aber das ist schon Teil des zweiten hier zu behandelnden Phänomens.

Das “Prinzip der kleinen Schritte” ist nämlich nicht nur in der Politik beliebt, sondern auch ein Automatismus, der sich bei nicht schwindelfreien Wandergesellen einstellt, sobald es kritisch wird (kritisch ist ein anderes Wort für: es geht links oder rechts oder um Himmels Willen doch bitte nicht links und rechts steil runter). Aus forschem (hihi) Wanderschritt wird dann nämlich ein nahezu der Madame Butterfly ähnliches Trippeln: Sorgsam tasten sich die Füße voran, aber eben nur in ganz kleinen Schritten. Die kleinen Schritte, sorgsam bedacht und gesetzt, werden von kräftigem Klammern der jeweils wandnahen Hand begleitet. Und was ist, wenn es da nix zum Festhalten gibt? Dann geht es in den Duckmodus, der sozusagen eine reifere Version des frühhkindlichen Krabbelns darstellt.

Es versteht sich, dass einem (=mir) diese Gangart peinlich ist, weswegen ich erstens nie verraten würde, dass sowas möglich ist und zweitens immer als letzter wandere schleiche. Ganz schlimm ist es natürlich, wenn sich jemand von denen vor einem umdreht – fürsorglich gemeint, sicher, aber irgendwie auch belastend, weil er (oder sie) ja dann da ganze Elend sieht.

Wird der Weg wieder breiter und weniger abfallend, kommen der Mut und die Sicherheit übrigens schnell wieder zurück, und erst recht beim abendlichen Bier / Wein – da war’s dann, aus der Rückschau, alles gar nicht mehr so schlimm und ganz toll!

Zumindest offiziell, denn wenn die anderen dann erzählen, dass “heute es alles ganz harmlos war”, dann ist es wieder da, dieses mulmige Gefühl in der Magengegend, und man denkt sich, während man laut lachend “Genauuuuuu!” juchzt: “Wenn ihr nur eine blasse Ahnung von meinen Ängsten hättet…”

Die Geschichte von Chi Gomera

Das ist die Geschichte von Chi Gomera, einem Hund aus Chipude auf La Gomera. Er begleitete uns einen Tag bei der Wanderung zum Garajonay und zurück.

Und plötzlich stand er neben mir. Ein Hund, der eindeutig kein Dackel war, aber genau so einen Blick aufsetzte. Er begrüßte mich wie einen alten Bekannten – wedelte mit dem Schwanz, freute sich, scharwenzelte um meine Beine.
Das war an einem Dienstag im November, kurz vor elf Uhr vor der Bar La Candelara in Chipude auf La Gomera. Ich stand am Kofferraum unseres Leihwagens und zurrte den Rucksack zurecht – es sollte zum Garajonay gehen, den höchsten Berg der Insel. Zuvor noch ein Blick auf die Kirche des 800-Seelen-Dorfes, das immerhin eine der ältesten Ortschaften der Insel ist.

Die Iglesia Nuestra Señora de la Candelaria stammt aus dem 17. Jahrhundert. Mein neuer Freund ließ es sich nicht nehmen, mich zu begleiten, als ich ein Foto der Kirche machen wollte…

Während ich die Kirche fotografierte, ließ sich der Hund gleich neben mir nieder, sah abwechselnd hoch und damit mich an und in die Richtung, in die ich fotografierte…

Als wir loswanderten (beziehungsweise, um ehrlich zu sein: den Einstieg in die Wanderung suchten, da war der Wanderführer nämlich nicht sehr eindeutig), sah der Hund abwechselnd Sylke und mich an, als ob er “Bütteeee, nehmt mich mit!” sagen wollte. So interpretierten wir das, obwohl der Hund weder deutsch noch überhaupt eine menschliche Sprache redete – er guckte halt nur so.

“Du musst hier bleiben, wir wollen den ganzen Tag wandern!” sagten wir, und aus welchem Grund auch immer redeten wir langsam wie zu Kindern oder Fremden mit dem Hund.

Sylke wusste zu berichten, dass während eines Wanderurlaubs eigentlich immer irgend so ein Köter einem auf den Keks geht, aber der Hund bedeutete uns mit freundlichem Um-uns-herum-springen und netten Blicken, dass er kein Köter und überhaupt sehr lieb sei…

Wir hatten unseren Wanderweg dann doch recht schnell gefunden und ließen die Häuser des Dorfes hinter uns. Wen wir nicht zurück ließen, war der Hund. Er ließ sich einfach nicht abwimmeln und kam einfach mit, rannte mal ein wenig voraus und wartete dann auf uns, lief zwischen Sylke und mir hin und her, absolvierte mithin ein deutlich größeres Pensum als wir. Und das, obwohl er die deutlich kürzeren Beine hatte!

Es ist keine sehr anstrenge Wanderung rauf auf den Garajonay, denn zwischen Chipude und dem Gipfel des Berges sind nur rund 430 Höhenmeter mit sanftem Anstieg zu bewältigen. Dennoch machten wir uns Gedanken, ob der Hund auch genug zu trinken bekommen würde – und waren froh, die eine oder andere Wasserstelle zu finden!

Richtig begeistet waren wir, als uns eine Gruppe von Wanderfreunden aus dem Innsbrucker Land entgegen kam. Neben dem obligaten “Grüß Gott!”, gegen das nichts spricht, schnatterte eine Wandersfrau mehr in unsere Richtung als zum eigentlich Gesprächspartner: “Ach, der arme Hund! Man könnte ihn doch mal tragen!”

Ihr Gesichtsausdruck wird mir unvergessen bleiben, als ich darauf hin gezielt höflich antwortete: “Gerne, gnä’ Frau! Tragen Sie ihn gerne mit zurück nach Chipude!”

Irgendwo zwischen Abzweig zum Fortaleza und dem Beginn des Nationalparks, in dem der Garajonay liegt, waren wir der Meinung, dass “unser Hund” einen Namen braucht. Wir beschlossen, ihn “Chi Gomera” zu nennen, was durchaus beabsichtlich Klangähnlichkeiten zu Che Guevara hat. Ist doch unser Chi ein wahrer Rebell! Für Wortherkunftsherleiter: Chi kommt natürlich von Chipude, und Gomera muss ich ja sicher nicht erklären.

Zielsicher ging Chi übrigens den richtigen Weg, wir hatten den Eindruck, dass er nicht das erste Mal hier unterwegs war.

1487 Meter über dem Meeresspiegel: Der Gipfel des Garajonay. Und keine Bäume! Da verkriecht sich Chi doch mal gleich hinter Sylkes abgelegten Rucksack.
Wasser von anderen Touris lehnte er übrigens ab, was wir ihm hoch anrechneten – schließlich kann man es als Chi Gomera ja nicht mit jedem treiben!

Der Rückweg nach Chipude (ein anderer, denn es war eine echte Rundwanderung!) verlief sozusagen ohne besondere Vorkommnisse. Wir gingen in Chipude noch in die Bar, wo alles begann – und Chi kam natürlich mit rein, setzte sich unter unseren Tisch. Dann die Stunde der Wahrheit: Abschied! Da sitzt er nun, brav wie den ganzen Tag, und sieht uns hinterher. Wenn man bedenkt, dass weder Sylke noch ich Hundefreunde sind, muss man sagen: Es war schön, und Chi ist uns an diesem Tag ans Herz gewachsen. Wenn wir wieder mal von Chipude aus wandern, werden wir sicher einen Knochen mit im Gepäck haben. Man weiß ja nie…

24. 12. 2006


Als ich ein kleiner Junge war…
…nannte Erich Kästner seine Erinnerungen. Ich gestatte mir die Anleihe bei diesem großen Schriftsteller aus Dresden…

Als ich ein kleiner Junge war, benahm sich Weihnachten noch nicht so kommerziell wie heute – und es hatte (deswegen? ich denke: ja) einen eigenen Reiz. Das hat nichts mit Verklärung und Alter-Sack-Philosophie zu tun, denn ich stelle fest, dass die Verwirtschaftlichung nicht nur mir auf den Keks geht, sondern auch vielen jüngeren Menschen. Gleichalten sowieso…
Bei der Vesper vor der Frauenkirche gestern wurde das Thema auch angesprochen, und es gab rundrum wohlgefälliges Nicken. Dort, auf dem Platz vor der Kirche mit dem monumentalen Gebäude im Hintergrund, war auch der einzig peinliche Moment, als das Gedudel von nebenan die ganz eigene Stimmung vor der Kirche störte.
Aber ich schweife ab. Damals, in meiner Jugend, gab es am Heiligen Abend ein sehr schönes Ritual. Als kleiner Junge war ich vom Wohnzimmer ausgeschlossen seit ein, zwei Tagen vorher. Ich glaubte schon nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber spannend war es dennoch jedes Jahr, wenn die Tür zuging und ich nicht mehr rein durfte…
Mein Vater, dieser alte Weihnachtsmann, schmückte den Baum, brachte (natürlich: Wachs-)Kerzen an, die Geschenke wurden platziert. Es gab Stammplätze für jeden in der kleinen Familie, und ganz ganz früher wuchs die elektrische Märklin-Eisenbahn jedes Jahr ein wenig an. Hat er selbst damit heimlich gespielt? Hm, weiß ich nicht, muss ich mal nachfragen…
Am Heiligen Abend verkürzte gemütliches Teetrinken (wir sind Ostfriesen!), mit Stollen und Weihnachtsgebäck die Wartezeit – keine Fernsehsendung machte uns das Warten aufs Christkind erträglich, sondern die Familienrunde.
Um fünf Uhr klingelte dann das Glöckchen, kein elektrisches Licht war mehr an – nur der Schein der Kerzen flackerte durch das Zimmer. Während es nun ein wenig feierlich wurde (sangen wir eigentlich? ich glaub nicht, mangels allgemeiner Stimmkraft), taxierte das Auge schon die Verpackungen: Was mag da drin sein? Und was ist neu an der Eisenbahn???
Später dann das Abendessen – Kartoffelsalat und Kassler. Gibt es übrigens heute auch – beim ersten gemeinsamen Weihnachtsfest!
Frohe Weihnachten allen!

Weihnachtliche Vesper

Die 14. Weihnachtliche Vesper vor der Frauenkirche Dresden zog wieder einmal mehrere 10.000 Menschen an – zu einem weihnachtlichen Gottesdienst, der schon beeindruckend war vor dieser grandiosen Kulisse.
Die musikalische Umrahmung war wie immer grandios: Ludwig Güttler und das Blechbläserensemble, der Dresdner Kreuzchor, Ulrike Staude (Sopran) und Gunther Emmerlich (Bass, sehr schön, zu meiner eigenen Verwunderung!). Und ja, es war ein richtiger Gottesdienst, mit Gebet und Predigt und eben tausenden von Mitmachern.
Es kann Weihnachten werden…

Wanderung La Laja (4): Nationalparkstraße

Der letzte Teil der Wanderung verläuft durch wunderbare Waldlandschaft parallel zur Nationalparkstraße und gibt immer wieder den Blick frei auf die Carretera Dorsal, die Höhenrückenstraße.

Den Naturschützern ist diese Straße ein Dorn im Auge: Sie führt mitten durch das Naturschutzgebiet Parque Garajonay – und wer vom einen Ende der Insel ans andere will, muss da zwangsläufig durch, denn eine Küstenstraße rundherum gibt es nicht.

Soweit das Einerseits. Andererseits ist man aber Dank dieser mit EU-Mittel großzügig ausgebauten Straße eben recht sicher und komfortabel unterwegs (komfortabel, nicht schnell: dafür gibt es zu viele Kurven. Eigentlich gibt es nur Kurven, mehr als eine handvoll Abschnitte mit mehreren hundert Metern gerader Wegführung gibt es nicht).

Wanderung La Laja (3): Rasthütte

Ein wenig verfallen, aber immer noch ein schöner Zwischenstopp: Die Schutzhütte an der Degollade de Tanque mit dem Roque de Ojila im Hintergrund. 853 Meter hoch gelegen ist dieser Ort am Rande des Nationalparks – seit La Laja (470 m) ging’s also schon einige Zeit gut bergauf, aber das Ende ist noch nicht erreicht: der höchste Punkt der Wanderung liegt bei 1140 Metern…

Die Roques (hier eine Panorama-Aufnahme) sind eine augenfällige Erscheinung in Mitten des Nationalparks Garajonay. Sie sind letzte Zeichen vulkanischer Aktivitäten auf der Insel – ein Relikt längst vergangener Zeiten mithin, denn aktive Vulkane gab es auf La Gomera vor rund einer Million Jahren. Am Ende der vulkanischen Tätigkeit reichte der Druck nicht mehr aus, das Magma über den Kraterrand zu speien, die Schlote füllten sich. Die jetzt sichtbaren Roques (Felsen) sind diese harte Füllung – das weichere Drumherum ist im Laufe der Jahrtausende durch Wind und Wasser erodiert.

Wanderung La Laja (2): Kunst am Weg

Kunst in der Pampa (sorry…): Oberhalb von La Laja hat sich ein deutschsprachiger Künstler niedergelassen und hat rund um sein Haus am Weg Installationen aufgestellt, die man dort nicht vermutet. Nicht ein Allerweltsgeschmack, aber ein Hingucker auf jeden Fall!

Den Künstler hatten wir – ohne es zu wissen – schon vorher gesehen: Oberhalb von La Laja gingen wir an drei Menschen vorbei, die deutsch sprachen – nix Besonderes auf La Gomera, deutsch ist in weiten Teilen sowas wie die zweite Landessprache. Einer der drei ging wenig später forschen Schrittes an uns vorbei. Da er wenig später vom Weg verschwand, wird es wohl der Künstler sein, an dessen Domizil wir vorbei kamen.

Wanderung La Laja (1)

Die zweite Wanderung auf La Gomera führte uns von der Degollada de Peraza hinunter nach La Laja und wieder herauf über die Roques zurück zur Degollada. Eine muskelkaterträchtige Strecke wegen des steilen Abstiegs und des darauf folgenden langen Anstiegs…

…aber da muss man durch, um den einen oder anderen schönen Ausblick zu erheischen. Zumindest theoretisch, denn wir schleichen hier am Rand des Regenwalds entlang, der seinen Namen ja nicht deswegen bekommen hat, weil hier immer eitel Sonnenschein herrscht. Um es positiv zu formulieren: Sonnenschutz auf Haut und Haupt waren nicht nötig!

Die Tour beginnt an einem der zahlreichen offiziellen Aussichtspunkte entlang der Straße: Der Mirador Degollada de Peraza liegt direkt an einer Bushaltestelle, und Parkplätze fürs Auto gibt es auch. Das Restaurant gleich nebenan haben wir als tapfere Selbstverpfleger nicht getestet – eine Tour mit einer Pause zu beginnen erschien uns sinnlos, und am Ende hatten wir keine Lust auf Pause, sondern wollten nur “nach Hause”…

Der Weg ist bestens ausgeschildert, und außerdem gibt es eigentlich auch kaum Alternativen zum Verlaufen. Zuerst geht es steil bergab – von 951 Metern am Aussichtspunkt bis auf 510 Metern in La Laja. Wir haben uns das Dorf geschenkt – zu viele Hunde bellten, zu wenig Einkehrmöglichkeiten lockten!

Statt dessen schlugen wir oberhalb von La Laja den Weg links in Richtung Roques ein und genossen den Blick aufs Dorf, das sich auch bei Nebel und Dunst in seiner Anmut zeigt.

Dirk Jesse

Der Grund für den honigkuchenpferdähnlichen zufriedenen Gesichtsausdruck liegt in der Hand: Dirk hat ein Buch geschrieben – und es sich druckfrisch gleich einmal auf mögliche übersehene Fehler vorgenommen. “Liest sich gut!” schmunzelte er – und die Fehlerquote ist minimal. Das Buch ist das Ergebnis rund einjähriger intensiver Arbeit an dem mittlerweile wegweisenden CSS-Framework YAML. Es ist, anders als andere Fachbücher, nicht nur intelligent, sondern auch flott geschrieben. Wer noch kein Weihnachtsgeschenk und mit Webentwicklung zu tun hat:
Das Buch CSS-Layouts