Archiv für Juli 2006

Urlaubs-ABC: S wie Soooo…

Sonntag, 30. Juli 2006

Die Kellnerin, mit Bier und Brezeln gut beladen, war noch nicht zu sehen – aber zu hören. Ihren Anflug signalisierte sie mit einem dreigestrichenen „soooooooouuuu“, das zwischen drittem und viertem „o“ in der Höhe anstieg und mit dem angesteuerten „u“ deutlich absank.
Das „soooooooouuuu“ war ihr Schicksal, denn wann immer Sylke und ich es hörten, mussten wir losprusten. Zwischendurch aber war ernsthaft Zeit zum Nachdenken: Wie soll sich denn eine Servierkraft bemerkbar machen? Ist nicht jeder Versuch einer individuellen Annäherung beim Überreichen von Speis und Trank ein Krampf? Oder ist das „soooooooouuuu“ etwa die subtile Rache für ein locker hingerufenes „Frollein“ oder ein barsches „Hallo!!!“?

Urlaubs-ABC: B wie Bitterfeld

Dienstag, 25. Juli 2006

Badespaß im BernsteinseeZum Baden nach Bitterfeld – das hätte man mir mal vor ein paar Jahren sagen sollen! Doch das Zentrum des chemischen Gestanks, die Wiege des Bitterfelder Weges, der absolut untouristischste Ort der DDR hat sich gewandelt. Zumindest teilweise, denn wenn man am Goitzscher Seengebiet liegt und in die jahreszeitlich, nicht chemisch bedingt warmen Fluten des Bernsteinsees läuft, kommt absolutes Urlaubsfeeling auf:
Die Blonde mit den langen Beinen und dem knappen Bikini, die sich gekonnt und beinahe lasziv im gelben Sand räkelt…
Die Kinder, die mit Eimer und Schippchen Wasser vom See in Handtuchnähe schleppen, um dann in Muttis Nähe ein wenig zu mantschen…
Der Waschbrettbauch mit dem ehrenamtlichen Bademeister drumrum, der als einziger ungestraft durchs Fernglas gucken darf – alle anderen werden dafür misstrauisch beäugt…
Die Angeber der Familie Neureich, die mit ihren viel zu kleinen Motorbooten viel zu laut direkt vor dem für Schwimmer abgezirkelten Bereich ihre Kreise ziehen und damit wenigstens dem ruhigen See ein wenig Seegang verschaffen…
Das Piratenschiff, das wahrscheinlich nur deswegen grün ist, weil der Sponsor das toll findet, das aber majestätisch seine Bahn über den See zieht und so den Fotografen immer mal wieder ein tolles Motiv beschert…
Es begab sich aber zu der Zeit unseres Aufenthaltes am Bitterfelder Badesee, dass nicht alles eitel Freud’ war. Zum Beispiel feierten die Bitterfelder ihr Hafenfest. Solche Volksfeste – da haben die DDR-Bürger in Sachen Kapitalismus zu Schulzeiten ihre Lektion gelernt – bedeuten immer Abzocke vom Feinsten. Erst mal zahlt man Eintritt, um überhaupt teilhaben zu dürfen am umfangreichen Programm – das übrigens oft so ist, dass es dafür (Schmerzens-)Geld heraus geben müsste. Zuvor allerdings zahlt man Parkplatzgebühr. Auch wenn es auf Plätzen ist, die gar nicht dafür gedacht sind. Dem Hotel „Villa am Bernsteinsee“ sind zwei Übernachtungen und ein mehrgängiges Menü für zwei Personen entgangen, weil so ein Hafensfestengagierter meinte, uns zwei Euro Parkplatzgebühr abknüpfen zu müssen. „Wir wollen aber doch nur zum Hotel!“ – „Das macht nichts, heute zahlen Sie hier trotzdem!“ Nicht, dass wir die zwei Euro nicht mehr gehabt hätten – aber so einfach öffentlichen Parkraum und die Zufahrt zu einem Hotel verprivatisieren, das war uns dann nichts…
Abzocke in Bitterfeld auch an einem anderen Strand, der künstlich aufgeschüttet und mit einem netten Schild zum Bezahlstrand gemacht wurde. Links der Straße erst mal Parkgebühren zahlen (und – welch Unsinn nicht nur in Bitterfeld – vorher wissen, wie lange man bleiben wird) und rechts der Straße dann Strandgebühren blechen. Bewacht ist der Strand übrigens an dieser Stelle nicht, an anderer, wo es nichts kostet, ehrenamtlich. Verkehrte Welt!
Zu den bemerkenswerten Erfahrungen in der Stadt gehört auch, dass ein anderes Hotel damit wirbt, am Ufer des Bernsteinsees zu liegen. Der Zusatz (400 m) befreit zwar vor dem Vorwurf des Betrugs, aber wenn man mitten im Wohngebiet liegt und den See von dort nicht einmal ahnt, ist das schon arg irreführend.
Die Folge all dessen? Keine ausführliche Bitterfelder-Weg-Beschreibung, sondern nur eine Stipvisite. Und dafür ein Besuch in Wörlitz…

Urlaubs-ABC: W wie Welterbe

Dienstag, 25. Juli 2006

Elbe bei Dresden.“Es bedeutet immer wieder einen Spagat, einerseits die Tradition zu pflegen und andererseits die Moderne zu ihrem Recht kommen zu lassen. Dies gilt besonders für die mehr als 300 historischen Städte auf der Welterbeliste. … Jede Stadt, jedes Land sollte sich bewusst sein, was es bedeutet, für die Welterbeliste vorgeschlagen zu werden. Jeder Einwohner, jeder Investor, jeder Beamte in der Verwaltung sollte schon bei der Nominierung Bescheid wissen: Mit der Anerkennung wird auch eine Verpflichtung verbunden sein – im Falle Kölns oder Dresdens nicht nur für die eigene Stadt oder für Deutschland, sondern für die ganze Welt.”
Mechthild Rösler heute in der Süddeutschen Zeitung. Sie ist Europa- und Noramerikachefin im Welterbezentrum der Unesco in Paris. Anlass des Artikels ist die geplante Waldschlösschenbrücke, die an dieser Stelle der Aufnahme geplant ist und zur Aberkennung des Titels führen könnte.

Abgetaucht – Aufgetaucht

Dienstag, 25. Juli 2006

…das mit dem Juister Tagebuch war eine gute idee, aber dabei blieb’s denn auch.
Zu viel passierte, um es alles aufschreiben zu können. Nun, mit neuer Wohnung und neuer Partnerschaft und neuem Elan ein neuerlicher Anlauf. Obwohl es ja keine Blog-Publikationspflicht gibt und ich viel nahezu brach liegende Weblogs kenne…